
Island sagt Nein zur EU und bleibt Brüssel trotzdem eng verbunden
Island will vorerst keine neuen Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Bei einer Volksabstimmung sprach sich eine knappe Mehrheit von 52,8 Prozent gegen die Wiederaufnahme der 2013 abgebrochenen Gespräche aus. 47,2 Prozent stimmten dafür. Die Beteiligung lag bei mehr als 82 Prozent.
Für die EU ist das Ergebnis ein politischer Dämpfer – zugleich bleibt Island ein enger Partner. Denn das nordatlantische Land ist der Union bereits weit stärker verbunden, als es sein Status als Nichtmitglied vermuten lässt.
Doch das isländische Modell hat einen entscheidenden Unterschied zur EU-Mitgliedschaft: Island übernimmt einen großen Teil der Regeln des europäischen Binnenmarkts, sitzt aber nicht an den EU-Verhandlungstischen, an denen diese Regeln beschlossen werden. Das Land hat weder Abgeordnete im Europäischen Parlament noch eine reguläre Stimme im Rat der EU.
Besonders sensibel ist die Frage der Fischerei. Für die isländische Wirtschaft ist der Sektor von großer Bedeutung. Die Regierung in Reykjavík will deshalb weiterhin selbst über Fangquoten entscheiden und den Zugang ausländischer Unternehmen zum Fischereisektor begrenzen.
Island hat sich vorerst für die Fortsetzung seines bisherigen Modells entschieden. Ob dieses Verhältnis langfristig den politischen und wirtschaftlichen Interessen des Landes entspricht, bleibt Gegenstand der isländischen Debatte. Für die EU wiederum bleibt Island ein enger Partner – auch ohne Mitgliedschaft. Die Frage eines Beitritts ist damit vorerst vertagt, nicht endgültig beantwortet.
