Hinter der Abkürzung EUSALP verbirgt sich die EU-Strategie für den Alpenraum, die in der Praxis konkrete Auswirkungen auf das Leben der Menschen im Alpenraum hat. Die „European Union Strategy for the Alpine Region“ wurde 2015 ins Leben gerufen und Ziel ist es, die Zusammenarbeit in einer der wirtschaftlich stärksten und gleichzeitig sensibelsten Regionen der Europäischen Union zu verbessern, denn die Alpen sind weit mehr als ein Naturraum, sie sind Verkehrsachse, Energieregion, Wirtschaftsstandort und Lebensraum zugleich.

Die Dimension dieser Zusammenarbeit ist beachtlich. EUSALP umfasst sieben Staaten und 48 Regionen. Fünf davon sind Mitgliedstaaten der Europäischen Union – Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien und Slowenien. Ergänzt wird die Zusammenarbeit durch die Nicht-EU-Staaten Schweiz und Liechtenstein. Gemeinsam bilden sie einen funktionalen Raum, der politisch unterschiedlich organisiert ist, aber vor ähnlichen Herausforderungen steht. Hier setzt EUSALP an. Anders als klassische Förderprogramme ist die Strategie kein eigener „Geldtopf“, sondern ein Koordinationsrahmen. Sie bringt Regionen, Staaten und Institutionen an einen Tisch, um bestehende EU-Mittel gezielter und effizienter einzusetzen. Im Zentrum steht dabei die Idee, Probleme nicht isoliert, sondern grenzüberschreitend zu lösen.
Die Themenfelder betreffen den Alltag vieler Menschen. Ein Schwerpunkt liegt auf nachhaltigem Wachstum und Innovation: Wie können alpine Regionen wirtschaftlich stark bleiben, ohne ihre natürlichen Ressourcen zu überlasten? Ein weiterer Fokus ist die Mobilität – etwa die Frage, wie Verkehr über die Alpen umweltfreundlicher organisiert werden kann. Hinzu kommen der Schutz von Umwelt und Biodiversität sowie die Anpassung an den Klimawandel, der im Alpenraum besonders deutlich spürbar ist.
Es geht um greifbare Initiativen – von Innovationsnetzwerken über Energieprojekte bis hin zu Lösungen im Bereich Fachkräfte und Bildung. Für Regionen wie Kärnten ist EUSALP von besonderer Bedeutung. Als Teil des Alpenraums profitiert Kärnten direkt von der engen Zusammenarbeit mit Nachbarregionen – etwa in Norditalien oder Slowenien. Gleichzeitig bietet die Strategie die Möglichkeit, regionale Interessen auf EU-Ebene sichtbar zu machen und aktiv in politische Prozesse einzubringen. Während die Europäische Kommission den strategischen Rahmen vorgibt, erfolgt die Umsetzung stark dezentral. Regionen und lokale Akteure gestalten Projekte aktiv mit. Gleichzeitig zeigt EUSALP, wie europäische Zusammenarbeit über EU-Grenzen hinaus funktionieren kann. Die Einbindung der Schweiz und Liechtensteins unterstreicht, dass gemeinsame Lösungen im Alpenraum nur dann erfolgreich sind, wenn alle relevanten Partner beteiligt sind.

